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Find Your Horizon | Chris Rubens

Chris Rubens wurde in Australien geboren, ist aber ein hingebungsvoller Einwohner von Revelstoke, Kanada. Als Weltklasse- (und weltreisender) Freeskier machte er sich einen Namen. Doch eine direkte Begegnung mit den Auswirkungen des Klimawandels zwang ihn, seinen Ansatz zu dem Sport, um den sich sein Leben dreht, zu überdenken. Ist seine professionelle Skikarriere mit seinem neu entdeckten Wunsch, seinen ökologischen Fußabdruck zu minimieren, vereinbar?

Genau wie jede Freeride-Line ist auch jeder Skifahrer anders. Aber genau in diesen Unterschieden liegt das Wesen des Freeridens. Um den Kern dieser Disziplin zu erfassen und ihre Kraft der persönlichen Entdeckung zu entschlüsseln, haben wir Zeit mit Chris verbracht, um herauszufinden, was es für ihn bedeutet, seinen Horizont zu finden.

Die Freeride-Kultur in ihrer reinsten Form ist die Freiheit, das auszudrücken, was einen inspiriert. Oder anders gesagt – man findet seinen Horizont, indem man seinem Herzen folgt. Eine Ski-Filmreise nach Grönland mit einem Klimawissenschaftler zeigte Chris, worauf sein nächster großer Fokus liegen würde.

„Wir waren ziemlich schockiert von dem, was wir sahen. Es war 2016, und das war's für mich“, erklärt Chris von seinem Zuhause in Revelstoke aus.

Die Gletscher, zu denen sie zum Skifahren gereist waren, litten unter den Auswirkungen des Klimawandels – und die Anzeichen waren unbestreitbar. Ganz zu schweigen von der außergewöhnlichen Hitze, die die Gruppe auf ihrer Reise erlebte. Konfrontiert mit Fragen des Publikums auf der Filmtour zu seinen eigenen Handlungen, war Chris bereit, etwas zu verändern.

„Obwohl die Veränderungen am Anfang ziemlich klein waren, fühlte es sich wirklich gut an – und es fühlte sich so an, als wäre das der Weg, den ich einschlagen wollte. Auf diese Weise habe ich seither meine Karriere gesteuert.“ 

Chris' Veränderungen mögen klein angefangen haben, aber alle großen Wellen beginnen klein. Für eine 4.000 km langen Reise, um an den Vulkanen im pazifischen Nordwesten skizufahren, nutze er nur ein Elektroauto und ein Fahrrad. Mit seiner Partnerin Jesse gründete er eine Bio-Farm. Seine neue Denkweise beeinflusst mittlerweile fast alles, was er tut. Und mit der Farm hat Chris das Gefühl, den größten Unterschied zu machen – sowohl in Bezug auf seinen eigenen Fußabdruck als auch zum Wohle der Gesellschaft.

„Es ist das Härteste, was ich je gemacht habe. Aber es fühlt sich an, als hätte ich damit den größten Einfluss. Wir liefern an Restaurants und Lebensmittelgeschäfte und sind im Sommer jeden Samstag auf dem Markt. Die Gesellschaft unterstützt uns sehr. Diese Menschen gehen sozusagen mit ihrem Geld wählen, indem sie unser Gemüse kaufen, anstatt im Supermarkt Produkte aus Kalifornien oder Mexiko. Und so sind wir wiederum in der Lage, Mitarbeiter einzustellen, die ihren Lebensunterhalt auf unserer Farm verdienen.“

Für Chris sind die Parallelen zwischen Landwirtschaft und Backcountry-Skifahren erschreckend ähnlich. Es geht darum, im Einklang mit der Natur zu sein, ihre Zeichen zu lesen und zu wissen, wann man sich zurücknehmen muss. Und es ist eine Beziehung, die immer weiter wächst.

„Als Skifahrer sammelst du immer so viele Informationen wie möglich, aufgrund derer du Entscheidungen triffst, um so sicher wie möglich zu sein. In der Landwirtschaft ist es genauso – du bist den Launen von Mutter Natur ausgeliefert. Du musst alle Aspekte betrachten und wissen, wann du eingreifst und wann nicht. Manchmal hast du Erfolg. Aber wenn du jemals versuchst, mit Mutter Natur zu kämpfen, wird sie dich jedes Mal besiegen. Und ich schätze, ich liebe diesen Aspekt sowohl bei der Landwirtschaft als auch beim Skifahren. Den Launen von Mutter Natur ausgeliefert zu sein und lernen zu müssen, wie man mit ihr arbeitet, mit ihr tanzt und ihr zuhört.“

Chris’ Arbeitsethik und Wertesystem beeinflussen viele seiner Entscheidungen. Auch an seinen Eltern nimmt er sich ein Beispiel. 

„Meine Eltern haben mir eine starke Arbeitsethik beigebracht. Meine Eltern waren wirklich gut darin, mit uns draußen zu sein, aber wir mussten immer zuerst unsere Hausaufgaben machen. Es war immer eine Balance. Ich erinnere mich, dass mein Vater einmal ein sehr teures Mountainbike kaufte, als wir Kinder waren – und zwei Wochen später verkaufte er das Familienauto für weniger, als das Fahrrad gekostet hatte. Ich bin mir nicht sicher, ob er das beabsichtigt hatte, aber er lehrte uns dadurch, was mehr wert ist, und dass Erfahrungen zählen. Ich schätze materielle Dinge nicht so sehr wie Erlebnisse in der Natur.“ 

In einem Sport, der von gigantischen Zielen geprägt ist, kann es entmutigend sein, seine Ziele zu verfolgen. Besonders, wenn man in die Schleife „Was kommt als Nächstes?“ gerät. Aber für Chris sind die Endziele die Motivation, um sich reinzubeißen und die Arbeit zu erledigen.

„Klischees sind Klischees aus einem Grund. Und ich denke, das Finden deines Horizonts ist nichts Anderes, in dem Sinne, dass dein heutiger Horizont morgen vielleicht ein anderer ist, und das ist völlig in Ordnung. Ich denke, der Horizont ist das, was dich im Moment motiviert, aber es geht vielmehr um die Reise, diesen Horizont zu erreichen – das ist der spaßige Teil. Und wenn es eine besonders verrückte Idee oder ein besonders verrückter Plan ist, dann ist es verdammt lohnenswert, diesen Horizont zu finden.“

Chris hat radikale Schritte unternommen, um seinen CO₂-Fußabdruck zu verringern und sich für seine Emissionen zu verantworten. Unter anderem hat er die Anzahl seiner Reisen reduziert und widmet sich in der Nebensaison ganz der Arbeit auf der Farm.  Aber wie beeinflusst dieser Ansatz andere in der Skifahrergemeinschaft? 

„Ich persönlich denke, dass es viel inspirierender ist, jemanden zu sehen, der sich verändert, als nur darüber zu reden. Ich habe das Glück, dass ich beides tun kann“, erklärt Chris. „Ich kann mir keinen besseren Ort für eine Nachhaltigkeitsbotschaft vorstellen als die Skiindustrie, denn wir brauchen Schnee. Wenn wir keinen Schnee haben, gibt es unsere Industrie nicht.“

Es ist eine Botschaft, die Chris auch nahtlos in seine Arbeit als gesponserter Athlet integriert. In enger Zusammenarbeit mit dem Produktteam von Atomic war Chris maßgeblich an der Entwicklung des neuen Atomic Backland FR 109 Skis beteiligt — ein 10-jähriger Traum für Chris. „Es war das erste Mal, dass ich wirklich viel Einfluss auf einen Ski hatte, und ich bin super stolz darauf, wie er geworden ist. Es ist eine wirklich große Sache, wenn ein so großes Unternehmen wie Atomic – das so viele Ski und Skischuhe herstellt – beginnt, CO₂-Emissionen zu senken Das kann einen enormen Einfluss haben.“

Als Fürsprecher und mit gutem Beispiel vorangehend, schafft Chris Veränderungen auf die gleiche Weise, wie er es immer getan hat – indem er seinem Herzen folgt. 

„Wir werden uns als Gesellschaft verändern müssen, warum also nicht jetzt damit anfangen und aufhören, sich dagegen zu wehren? Vielleicht werden wir überrascht sein, dass das nicht unbedingt Opfer bedeuten muss. Dass es ein besseres Leben ist, das wir erschaffen, und dass wir erfüllter und glücklicher sein werden. Das ist jedenfalls meine Erfahrung damit.“

„Ich denke, im professionellen Bereich möchte ich den Backcountry-Skisport weiter in Richtung manueller Antriebe voranbringen. Ich versuche zu zeigen, dass nachhaltigeres Handeln eine großartige Art und Weise ist, die Berge hinunterzufahren — und dass viel mehr Menschen diesen Weg einschlagen können. 

„In 20-30 Jahren, wenn die Leute zurückblicken, hoffe ich, dass sie denken: ‘Wow, die Skiindustrie war ihrer Zeit weit voraus und wirklich fortschrittlich mit ihren Klimawandel-Initiativen.’ Das möchte ich vorantreiben. Davon möchte ich ein Teil sein.“