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Die Kunst der Balance | mit Vinzenz Geiger

Nordische Kombination zu beherrschen bedeutet, zwei völlig unterschiedliche Welten in Einklang zu bringen: Langlaufen und Skispringen. Die Herausforderung liegt im Kontrast dieser beiden Disziplinen – eine Komplexität, die oft von Außenstehenden übersehen wird.

Das Training für die Nordische Kombination erfordert, dass Athleten viele Stunden in den Aufbau ihrer Ausdauer investieren, aber auch unzählige Tage damit verbringen, explosive Kraft und Präzision beim Skispringen zu perfektionieren – Fähigkeiten, die eine völlig andere Denkweise erfordern.

Der frisch unter Vertrag genommene Atomic-Athlet Vinzenz Geiger – Olympiasieger 2022 – gibt Einblicke in den Sport und seine Sichtweise darauf, wie man die richtige Balance zwischen den beiden Disziplinen findet.

Wie vereinst du das Training für Skispringen und Langlauf? Gibt es eine typische Aufteilung zwischen den beiden Sportarten?

Die Aufteilung zwischen Skispringen und Langlauf im Training lässt sich nicht so einfach pauschalisieren. Beim Langlauf misst man die Ausdauerstunden, während beim Skispringen die Anzahl der Sprünge entscheidend ist – wobei dazu noch Kraft-, Koordinations- und spezielle Trockentrainings kommen. Wenn man die Trainingszeit betrachtet, könnte man sagen, dass es ungefähr ein 50:50-Verhältnis ist.

Welche Herausforderungen gibt es beim Training für zwei so unterschiedliche Sportarten?

Die größte Herausforderung liegt darin, die unterschiedlichen Anforderungen beider Sportarten zu balancieren. Beim Skispringen muss man leicht, explosiv und beweglich sein. Im Langlauf hingegen sind Kraftausdauer und viele Ausdauerstunden entscheidend. Es ist wichtig, keine der beiden Disziplinen zu überbetonen. Konzentriert man sich zu sehr auf Langlauf, leidet die Schnellkraft; trainiert man die Ausdauer nicht ausreichend, wirkt sich das negativ auf die Langlaufleistung aus.

Welche Rolle spielt die Ernährung in beiden Sportarten, und wie findest du die richtige Balance?

Ernährung spielt eine große Rolle, wie in jeder Sportart. Für uns ist es besonders wichtig, eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu verfolgen, ohne in eine extreme Richtung zu gehen. Da wir sowohl Ausdauer als auch Schnellkraft brauchen, sollten wir nicht zu schwer fürs Skispringen sein, aber dennoch genügend Kraft haben. Hier kommt es auf die richtige Balance an.

Was sind die Unterschiede beim Krafttraining für Skispringen und Langlauf?

Im Krafttraining gibt es deutliche Unterschiede. Beim Langlauf liegt der Fokus eher auf der Stärkung von Core- und Rumpfpartie. Beim Skisprung hingegen arbeiten wir viel an Schnellkraft, mit Übungen wie Sprüngen und Kniebeugen.

Gibt es Teile des Skisprungtrainings, die deine Langlauf-Performance unterstützen und umgekehrt?

Ja, durchaus. Zum Beispiel hilft das Core-Training beim Langlauf genauso wie beim Skispringen. Die Übungen, die wir für die Explosivität im Skispringen machen, kommen auch beim Langlauf zum Tragen, etwa bei den Sprints am Ende eines Rennens.

Kannst du das „Gefühl“ beider Sportarten beschreiben?

Skispringen ist ein Adrenalin-Kick pur. Alles konzentriert sich auf diese eine Sekunde – man hat nur einen Sprung im Wettkampf, und der muss perfekt sein. Im Langlauf ist es das Gegenteil: Man hat etwa 25 Minuten, in denen man alles geben kann. Hier kommt es auf mentale Stärke und taktische Einteilung des Rennens an. Der Ausgleich zwischen beiden Sportarten macht’s aus: Wenn ein Sprung nicht perfekt war, kann ich den Frust im Langlauf abbauen, nochmal mehr Kräfte rausholen und noch einige Plätze gutmachen.

Was machst du, um abzuschalten? Hast du Hobbies neben dem Sport?

Neben dem Leistungssport bin ich immer noch ein großer Sportfan. Ich gehe gerne Rennradfahren, bin in den Bergen oder spiele Fußball und Tennis – was zwar auch Training ist, aber gleichzeitig ein Ausgleich für mich. Wenn es mal nichts mit Sport zu tun hat, spiele ich gerne Schafkopf mit meinen Kollegen.