WIE TRAINIEREN SKILANGLAUF ATHLETEN IM SOMMER? INTERVIEW MIT ANDI KATZ

NORDIC JUL 22, 2021

WIE TRAINIEREN SKILANGLAUF ATHLETEN IM SOMMER? INTERVIEW MIT ANDI KATZ

NORDIC JUL 22, 2021

Nordic

JUL 22, 2021

Dass Wintersportler im Sommer viel trainieren müssen, um im Winter fit zu sein, ist kein Geheimnis. Hinter jedem Erfolg stecken viele Trainingsstunden. Andi Katz gibt uns einen Einblick und erzählt uns welche Tipps er für alle ambitionierten Langläufer und Langläuferinnen hat.

Andreas Katz
Deutschland / Nordic

date of birth

January 08, 1988

home resort

Ruhpolding

discipline

Cross Country

hobbies

Rock´n Roll, Sport

website

www.andi-katz.de

Andi Katz ist gebürtiger Schwarzwälder und trainiert seit 2007 in Ruhpolding. Er kann bisher schon 91 Weltcupstarts, 4 WM Starts und 4 Teilnahmen bei den Olympischen Spielen vorweisen. Zu seinen größten Erfolgen zählt der 14. Platz bei den Olympischen Spielen 2018 über 50 Kilometer Klassisch und der 13. Platz bei der Weltmeisterschaft in Seefeld über 15km, ebenfalls in der klassischen Technik. Zudem konnte er bei diesen beiden Großveranstaltungen jeweils den 6. Platz in der Staffel gewinnen. Wie bereitet sich nun ein Athlet wie Andi Katz vor, um im Winter topfit zu sein? Wir haben ihn gefragt wie sein Training aussieht.

Wie viel trainierst du jährlich? Und welche Trainingsmittel sind für dein Training wichtig?

„Ich trainiere circa 950 Stunden im Jahr. Davon sind ungefähr 850 Stunden Ausdauertraining, welches ich natürlich am liebsten auf Langlaufski absolviere. Das sind pro Woche durchschnittlich 20 Stunden Training. In der Übergangszeit verbringe ich viele Stunden auf dem Rennrad und Mountainbike. Im Sommer bin ich viel mit Skiroller unterwegs, aber auch Crosslauf ist ein großer Bestandteil meines Trainings. Etwa 70 Stunden, das sind etwas über 100 Trainingseinheiten, bewegen sich im intensiven Bereich. Hier mache ich viele Intervalle auf Ski, Roller oder auch zu Fuß. Auch das Athletiktraining mit Beweglichkeit & Koordination, ist ein täglicher Begleiter eines jeden Sportlers.“

Wie sieht dein Krafttraining aus und welche Übungen kannst du ambitionierten Skilangläufern empfehlen?

„Mein Krafttraining umfasst etwa 100 Stunden im Jahr. Meistens sind es 2 Einheiten pro Woche. Hier trainiere ich je nach Phase Kraft-Ausdauer, Maximalkraft oder Schnellkraft.  Besonders Stabilisations -Training ist immer ein fester Bestandteil meines Krafttrainings und im Langlauf sehr entscheidend, um stabil auf dem Ski zu stehen und die Kraft optimal einsetzen zu können.“

„Für Hobby Langläufer/innen ist ein Stabi-Training für den Rumpf, sowie für die Fußstabilität ebenfalls sehr zu empfehlen.“

Andis Übungstipps:

  • ​Wechselsprünge:Für diese Übung stellst du den rechten Fuß auf eine Erhöhung während der linke Fuß unten bleibt. Aus dieser Position versuchst du die Positionen der Füße so schnell wie möglich zu wechseln. (Hier eignet sich ein kleiner Kasten oder ein Stepper)

  • Medizinball prellen:Den Ball aktiv aus Armen und Rumpf auf den Boden prellen und wieder fangen. Dies sollte so kräftig und schnell wie möglich geschehen. Diese Übung stellt eine schnellkräftige Imitation des Doppelstockschubes dar.

  • Klimmzüge und Kniebeugen:Diese Übungen sind ein gutes Basistraining.

  • Einbeinstand auf instabilem Untergrund(z.b. BalanceBall/ Balancekissen): Hier kann die Schwierigkeit individuell erhöht werden. Diese Übung sorgt für ein besseres Gleichgewicht auf dem Ski und somit auch für längere Gleitphasen.

  • „Ganz viel Holz hacken im Sommer “

Was sind deine Tipps für Hobby Langläufer/innen, um die Kondition und die Skilanglauftechnik zu verbessern?

  1. „Die beste Methode um fit für den Winter zu werden ist es, viele verschiedene Ausdauersportarten zu betreiben.
    (z.B. Biken, Skirollern, Paddeln, Schwimmen und Berggehen)“
    Wichtiger Tipp: Die langen Einheiten dienen der Grundlagenausdauer und sollten deshalb mit einer niedrigen Herzfrequenz durchgeführt werden. (Intensitätsbereich: ca. 60- 70% der maximalen Herzfrequenz)

  2. „Im Herbst sind Schrittsprung Programme ebenfalls ein gutes Training, um in Form zu kommen. Schrittsprünge stellen eine Imitation der klassischen Technik am Berg dar. Diese können mit oder ohne Stöcke durchgeführt werden.“ Eine Schrittsprungserie könnte je nach Leistungsniveau beispielsweise so aussehen:

  • Anfänger: 10x 15 Sprünge

  • Fortgeschritten: 10x 50 Sprünge

  • Könner: 10 x 100 Sprünge

“#LEIDENSCHAFTSIEGT”

Andi Katz

Wie sieht eine typische Trainingswoche im Sommer aus?

Nachfolgend hat Andi eine exemplarische Trainingswoche von sich zusammengestellt. Je näher es schließlich Richtung Herbst geht, wird der Anteil der intensiven Einheiten gesteigert.

WOCHENTAG
VORMITTAG
NACHMITTAG
MONTAG
Skiroller Klassisch 2:15h
Crosslauf 1:45h
DIENSTAG
Krafttraining
Skiroller Skating 1:45h
MITTWOCH
Skiroller Wechseltraining 2h
(6x10min intensiv)
Alternatives Training (Schwimmen)
DONNERSTAG
RUHETAG
RUHETAG
FREITAG
Schrittsprung Einheit/Intensives Training
Skiroller Doppelstock Training 1:30h
SAMSTAG
Radfahren (Renrad/MTB) 3-4h
Crosslauf 1h + Beweglichkeitstraining
SONNTAG
Skiroller-Skating Bergroller Einheit
Alternatives Training

Was ist deine Lieblingstrainingseinheit im Sommer?

„Eine meiner liebsten Trainingseinheiten ist eine Schrittsprungeinheit Richtung Brander Alm in Ruhpolding mit Gipfelbesuch auf der Hörndlwand & einem anschließenden Einkehrschwung mit Kaiserschmarrn auf der Brander Alm“

In dieser Saison stehen für Andi die olympischen Spiele ganz klar im Fokus. Auf die Frage ob er eine spezielle Vorbereitung für diesen Winter hat, antwortete er: „Ich habe dieses Jahr nach der Schneeverlängerung bewusst einen erholsamen Urlaub gemacht, um dann topmotiviert in eine wichtige Saison zu starten. Ansonsten versuche ich jede Trainingseinheit ganz bewusst zu trainieren, immer mit dem Ziel Olympia vor den Augen.“

Weitere Trainingstipps erhaltet ihr hier.