Auf Skiern ins Ungewisse - Stefan Ager in Pakistan

BC TOURING FEB 27, 2019

Auf Skiern ins Ungewisse - Stefan Ager in Pakistan

BC TOURING FEB 27, 2019

BC Touring

FEB 27, 2019

Für mich ist es schon das zweite mal, dass ich im Norden Pakistans im Shimshal Valley in den Bergen bin. Zusammen mit Andreas Gumpenberger gaben wir den einheimischen Jugendlichen Skiunterricht auf 4000m Seehöhe. Immer wieder blickten wir auf die andere Talseite auf der ein malerischer 6000er steht, das Shimshal Whitehorn. Wir wussten wir müssen eines Tages zurückkehren um uns an der Nordwand zu versuchen. Im April 2018 ist es nun soweit.

Mit einem größeren Team bestehend aus den Alpinisten Martin Sieberer, Andreas Gumpenberger, Thomas Gaisbacher, ich, dem Kameramann und Co-Produzent Johannes Aitzetmüller und dem Fotograf Andreas Vigl machten wir uns auf den Weg. Von Islamabad aus dauert es 3 ganze Tage um in das abgelegene Dorf Shimshal zu gelangen. Die Straße dorthin ist atemberaubend und gefährlich zugleich. Nur ein paar Fahrern ist es erlaubt die Straße ins Shimshal Tal zu befahren. Dieses Dorf im Mitten dieser Giganten ist Ausgangspunkt unserer Expedition. Bevor es aber in Richtung Whitehorn geht, müssen wir uns natürlich akklimatisieren. Wir entscheiden uns für das gegenüberliegende Tal Zarthgurben wo wir auf 4000m in einer kleinen Steinhütte unser Basecamp einrichten. Ich bin froh meine Atomic Backland Ausrüstung (Backland 95 mit Backland Tour Bindung und dem Backland Schuh) dabei zu haben, man trägt die Ski hier so weit, dass jedes Gramm zählt. Hier verbringen wir eine Nacht bevor wir weiter ins Tal hinein marschieren.

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Nacht etwa 26km und 1500hm schnallen wir zum ersten Mal unsere Ski an und fühlen den Schnee unter unseren Fellen. Die Landschaft und die Faces hier sind gigantisch und sehen atemberaubend aus. Doch am nächsten Tag sehen wir wie gefährlich die aktuelle Schneesituation eigentlich ist. Wir hiken auf etwa 5100m auf einen Grat rauf um dort zu schlafen und am nächsten Tag unsere erste Line zu fahren. Zum Spaß werfen wir erstmal 2 etwas größere Steine ins Face von oben. “Whumm” eine rieseige Lawine reißt vor unseren Augen ab. Die Schneelage ist wie wir erwarten hatten extreme gefährlich. Der vor kurzem gefallene Neuschnee hat sich überhaupt nicht mit dem vom Winter liegenden Altschnee verbunden. Sehr unüblich, dass es so spät im Frühling überhaupt noch schneit hier. Wir wissen wir können in keinen Hang mit Neuschnee einfahren, die kleinste Zusatzbelastung ist schon zu viel um eine Lawine auszulösen. Wir entscheiden ins “Bett” zu gehen, und wollen am nächsten Tag da abfahren wo gerade die Lawine hinunter gedonnert ist. Geschlafen wird hier auf 5100m natürlich nur sperlich, aber für die Akklimatisation ist es natürlich super. Mit Kartenspielen lässt sich die Zeit im Zelt ja leicht vertreiben.

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Wir fahren ab am nächsten Morgen. Der Hang ist jetzt natürlich pickelhart und eisig, aber dafür einigermaßen sicher. Es fühlt sich extreme cool an auf solch einer Höhe Skizufahren, wir wissen hier war noch niemand zuvor mit Skiern. Zurück im Basecamp ruhen wir uns erstmal einen Tag aus. Am nächsten Tag probieren wir uns an einer Erstbesteigung. Der 5666m hohe “Lop Zarth” steht genau neben unserem Basecamp. Es ist eine sehr technische Kletterei gegen Ende hin. Wir wollen uns eigentlich 2 Tage Zeit nehmen, doch es sieht alles so nah aus (ist es nie ;-)), somit denken wir das schaffen wir doch in einem Tag. Wir brauchen etwa 8h bis auf den Gipfel. Im Dunkeln schaffen wir es dann zurück ins Basecamp. Unsere erste Erstbesteigung eines Bergs, geil. Die Austrian Route ist eröffnet. (https://www.summitpost.org/lop-zarth-the-big-yellow-5668m/1026138) Nach diesen mega guten Akklimatisationstagen steigen wir ab nach Shimshal. Nachdem wir hier den Einheimischen das Klettern zeigen und den ersten Klettergarten in Shimhal eröffnen, werden wir in die Welt des Cricket Spielens eingeweiht.

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Doch jetzt ist es soweit, wir brechen auf ins Tal Richtung Shimshal Whitehorn. Nach einem Tag Aufstieg erreichen wir einen Platz vor einem riesigen Gletschermeer. Hier schlagen wir auf 4500m unsere Zelte für das Basecamp auf. Das Whitehorn ist noch weit weg. Am nächsten Tag wollen wir näher ran, um die Nordwand auf ihre Durchführbarkeit zu beurteilen. Mit jedem Schritt dem wir der Wand näherkommen, realisieren wir die das Ausmaß der Dimensionen, ein riesiges Spaltenmeer tut sich auf. Erstmal müssen wir einen sicheren Weg durch dieses Spaltenlabyrinth finden. Wir stehen vor der Wand. Wie befürchtet ist auch sie zu gefährlich. Wir sehen riesige Anrisse und Seracs die nur darauf warten in die Tiefe zu stürzen, es wäre unverantwortlich in diese Wand einzusteigen. Es gab erst einen Menschen der sich je an dieser Wand versucht hat, ein Engländer. Er kam nie wieder zurück.

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Einen Plan B hatten wir sowieso schon lange im Kopf. Das mysteriöse “Couloir of Thousand Gutters” das gleich neben der Nord-Ost-Wand auf fast 5800m hoch geht. Mit einer Gesamtlänge von über 800hm und mit einer Steilheit von bis zu 55 Grad , ist das eine Wahnsinns Alternative. Nach der zweiten Nacht im Basecamp bei -15° Celsius ist das Wetter perfekt. Wir hatten wenig Essen dabei, weil wir keine Träger hatten bis zum Basecamp, deshalb mussten wir gut rationieren. Es wird sich herausstellen ob wir genug Reserven haben um das Couloir zu bezwingen. Um 4:00 Uhr Früh starten wir, diesmal ist es ein Leichtes durch das Gletschermeer zu finden, weil wir den Weg schon wussten. Doch jetzt stehen wir erst am Einstieg des Couloirs. Auch hier ist bereits eine Lawine abgegangen und wir fühlen uns sicher genug um es zu wagen. Es ist äußerst anstrengend auf dieser Höhe mit dem Skiequipment zu hiken. Zum Glück ist meine Atomic Ausrüstung leicht und zieht mich nicht ganz so arg nach unten. Nach über 8h Anstieg erreichen wir die Spitze des Couloirs. Wir sind am Ende aber überglücklich. Noch nie ist einer von uns so hoch mit den Skiern gewesen. Wir fahren los. Ich darf als erster in die Rinne einfahren. Die Beine sind nach 1800hm Anstieg natürlich müde, aber das Skifahren in dieser Steilen Rinne fühlt sich mega geil an. Wir sind auch hier die ersten Bergsteiger die mit Ski unterwegs sind.

Die Befahrung dieser Rinne ist Lohn genug, um glücklich nach Hause fahren zu können. Auch wenn die Nordwand des Whitehorns unbestiegen und unbefahren bleibt, wir wissen es ist sie Richtige Entscheidung. Manchmal ist es noch schwieriger „Nein“ zu sagen als es einfach zu versuchen. Aber das wichtigste ist, dass wir alle wieder heil nach Hause kommen. Und das sind wir. Eine Wahnsinns Reise geht zu Ende. Wir kommen bestimmt wieder.

Den ganzen Film zur Expedition gibt es HIER.

#weareskiing