Caroline George: Mutter und Ski-Bergsteigerin

BC TOURING MAR 10, 2017

Caroline George: Mutter und Ski-Bergsteigerin

BC TOURING MAR 10, 2017

BC Touring

MAR 10, 2017

Caroline George ist Bergführerin, Ski-Bergsteigerin, Mentorin und lebt mit ihrer Familie in den Bergen von Chamonix. Wir haben mit ihr über ihre vielzähligen Rollen und über die Frau, die ihren Lebensstil geprägt hat, gesprochen.

#sheskis ist eine starke Gemeinschaft, vereint durch die Leidenschaft fürs Skifahren. Kannst du uns etwas über Mentorinnen und Lehrerinnen erzählen, die dir geholfen haben deinen Weg zum Skifahren zu finden?

Es mag wie ein Klischee klingen, aber meine Mutter war eine große Mentorin für mich. Sie ist wirklich eine Inspiration! Meine Mutter hat mich immer dazu ermutigt, die Dinge zu tun, von denen ich überzeugt bin – ganz egal, was sich die Anderen dabei von mir denken.

Sie hat mir auch gezeigt, dass es möglich ist, eine Familie zu haben und gleichzeitig seinen Traum zu leben und seine Grenzen auszutesten. Und ohne es zu wissen, ist sie mir mit gutem Beispiel voran gegangen. Sie hat in den 80er Jahren bereits Ski-Touren-Rennen gewonnen, als Frauen gerade erst angefangen haben an solchen Rennen teilzunehmen. Zu dieser Zeit standen Frauen in den Bergen noch im Schatten der Männer, wie auch in vielen anderen Bereichen des Lebens. Ich lernte als Kind schon, dass Frauen alles tun können was sie wollen. Als ich meine Karriere als Ski-Bergsteigerin startete, habe ich verstanden, wie schwierig es damals für sie gewesen sein muss. Hut ab dafür, Mama!

Kannst du uns erzählen, wie du zur Ski-Bergsteigerin und Bergführerin geworden bist?

Um ein UIAGM/IFMGA/IVBV Führer zu werden, braucht man mehrere Ski-Zertifikate. Es läuft grundsätzlich in jedem Land ähnlich ab, allerdings legen Kanada und die USA noch zusätzlich einen großen Fokus auf Lawinenkurse. Ich denke, das ist ein wichtiger Bestandteil des geführten Skifahrens. Du bist die meiste Zeit auf dich alleine gestellt und triffst Entscheidungen abhängig vom Gefälle, vom Wetter (Wind, Sicht, Sonnenstrahlen, Niederschlag, etc.) und den Leuten, mit denen man unterwegs ist. Dann ist da natürlich noch die Tatsache, dass deine Entscheidungen über Leben und Tod entscheiden können.

Der gesamte Lernprozess war faszinierend und öffnete mir wirklich die Augen. Man lernt alles darüber, wie man Entscheidungen in den Bergen trifft. Man spürt den Wind nie mehr wie vorher, oder schaut nie mehr mit der gleichen Sichtweise auf das Gelände. Dieses Training schafft eine Art Grundwissen, in dem all diese Elemente kombiniert werden und zu einer Entscheidung führen, die dein Leben und das deiner Gruppe beeinflussen kann. Als ich mit dem Training begonnen habe, habe ich mich zunächst meistens auf mein Bauchgefühl und meinen Instinkt verlassen, um Entscheidungen zu treffen (diese sind übrigens immer noch wichtig). Der Schlüssel im Führen liegt aber darin, alle Werkzeuge zu haben, um eine durchdachte Entscheidung zu treffen. Der Prozess des Ski-Führens entwickelt sich konstant weiter: jedes Mal wenn man auf den Berg geht, lernt man u.a. auch durch begangene Fehler (oder gute Entscheidungen) etwas Neues. Ich würde sogar behaupten, dass es wortwörtlich eine Schule für das Leben ist!

Du lebst in der Nähe von Chamonix und arbeitest zum größten Teil im Tal. Welche Intensität und Möglichkeiten entstehen, wenn man so nahe zum Geburtsort des Skibergsteigen lebt?

Wir sind erst vor einem Jahr aus Chamonix weggezogen. Wir haben nach einem ruhigeren Ort gesucht, um unser Kind aufzuziehen und wieder näher bei den Bergen zu sein. Natürlich kann man nicht näher bei den Bergen sein als in Chamonix. Wie man die Berge in Chamonix allerdings wahrnimmt ist komplett anders als in den meisten anderen Orten der Welt. Es ist sehr schnelllebig. Egal wieviel es schneit, jede steile Abfahrt ist sofort verspurt. Chamonix ist definitiv sehr intensiv, aber dort lernt man auch sich selbst zu fordern, man lernt von anderen und erkennt was möglich ist. Deshalb ist es sehr angenehm in der Nähe zu wohnen, aber nicht ständig diesem Vibe ausgesetzt zu sein. Es ist ein großer Anreiz, aber es ist auch gut hin und wieder etwas Abstand zu nehmen.

Hast du irgendwelche Ratschläge für Neuankömmlinge in Chamonix?

Behaupte dich, eigne dir die Fähigkeiten an, die du brauchst, um sicher in den Bergen unterwegs zu sein. Sei das coole Mädchen in der Stadt, das ihre Grenzen in einer kalkulierten Art und Weise austestet und nehme alles an, was dir die Bergen und die Leute beibringen. Es ist eine steile Lernkurve, aber du wirst zur besten Skifahrerin werden, die du sein kannst.

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Du bist auch Mutter. Kannst du uns erklären, wie du Balance zwischen deiner Karriere und dem Leben daheim findest?

Es ist viel Organisation und Entschlossenheit nötig. Man braucht Leute, die einen unterstützen. Ich glaube allerdings daran, dass wenn man etwas wirklich will und man hart dafür arbeitet, dann ergibt sich der Rest von selbst. Ich liebe meinen Job, er ist sehr bereichernd und erfüllend. Ich lerne jeden Tag etwas Neues. Ich brauche diese Balance, um eine gute Mutter zu sein. Natürlich birgt dieser Beruf Risiken und das ist nicht immer einfach handzuhaben. Ich bin sehr dankbar für meine Eltern und alle, die mir und meinem Mann dabei helfen, unseren Traum zu leben. Ich bin auch dankbar dafür in einer Beziehung zu sein, in der wir die Bedürfnisse und Leidenschaften des anderen verstehen und uns gegenseitig helfen. Das ist der wahre Schlüssel, um mit allem klar zu kommen.

Wie hilft dir Skifahren dabei ein authentischeres Leben zu führen?

Wenn ich in den Bergen bin, kann ich gut nachdenken und diese Zeit, die ich auf den Skiern verbringe, gibt mir stets neue Einblicke in mein Leben. Wenn wir alle ein Leben führen könnten, das dem problemlosen Gleiten durch perfekten Tiefschnee ähnelt, dann wäre auch das Leben perfekt. Aber es sind die Hügel, Schluchten, Couloirs und die anderen Dinge, denen wir als Skifahrer begegnen, die das Leben erst zu dieser Fahrt im frischen Tiefschnee machen. Ich glaube, dass Skifahren die schönste Metapher für das Leben ist und ich versuche täglich jede Erfahrung mitzunehmen, um mein Leben zu verbessern und meine Tochter zu stärken - genauso wie es mir meine Mutter vorgelebt hat.

#sheskis ist eine Bewegung, die Skifahrerinnen auf der ganzen Welt vernetzt. #sheskis, das sind wir. Wir sind selbstbewusst und mutig, wir fallen hin und stehen wieder auf. Wir sind eine starke Gemeinschaft, vereint durch die Leidenschaft fürs Skifahren.