SKISCHUHE ANPASSEN WENN DER SCHUH DRÜCKT

ALPINE NOV 02, 2020

SKISCHUHE ANPASSEN WENN DER SCHUH DRÜCKT

ALPINE NOV 02, 2020

Alpine

NOV 02, 2020

Es kommt immer wieder mal vor, dass ein Skischuh trotz richtiger Größenwahl, der passende Breite und eines guten Gefühls bei der Anprobe noch Probleme bereitet. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Meistens handelt es sich um eine Fußform oder -ausprägungen, die nicht mit dem Leisten des Schuhs harmonieren (der Leisten ist eine Art künstlicher Fuß, um den der Hersteller den Schuh schustert). So genanntes Bootfitting (Formanpassung) bietet Lösungen, wenn der Schuh drückt oder dem Fuß zu viel Platz bietet. Welche Möglichkeiten der Anpassung gibt es? Wie aufwändig sind sie? Und welche Einstellungen am Schuh gibt es sonst noch zu beachten?

Die Skischuhe sind das individuellste Ausrüstungsteil eines Skifahrers und als Schnittstelle MenschSportgerät auf der Piste mit das wichtigste. Hier muss einfach alles passen! Kein Wunder, dass die meisten Skifahrer eine gewisse Scheu vor der Anschaffung eines neuen Skischuhs haben. Selbst nach sorgfältiger Auswahl der richtigen Größe und Breite des Modells fühlen sich viele in einem neuen Modell irgendwie nicht ganz wohl. Eine Anpassung des Schuhs – so genanntes Bootfitting – klingt verheißungsvoll, jedoch auch aufwändig. Aber keine Angst, moderne Skischuhe bieten nicht nur bessere Passformen als früher, sie lassen sich auch schnell und unkompliziert individuell dem Fuß anpassen. Und das, ohne dass man gleich ein Vermögen dafür zahlt. Wie man die richtige Größe und den richtigen Schuh findet lesen Sie HIER.

Skischuh anpassen

WO DRÜCKT DER (SKI-)SCHUH?
Selbst wenn ein Skischuh die richtigen Eigenschaften und Größe hat, gibt es manchmal Stellen, an denen er drückt, also zu eng ist, oder auch solche an denen er dem Fuß zu viel Raum bietet. Letzteres ist auch absolut unerwünscht, denn „zu viel Platz“ bedeutet, dass der Fuß Raum für Bewegung hat. Das verschlechtert die Kraftübertragung oder führt zu Reibung im Innenschuh. Eine Anpassung des Skischuhs kann also bedeuten, dass bestimmte Stellen geweitet werden oder Räume zwischen Fuß und Schale „gefüllt“ werden. Was zunächst nach einem Besuch beim Orthopädietechniker klingt, wird meist von Fachgeschäften mit geschultem Personal in wenigen Schritten erledigt. Sowohl Innenschuh also auch die Schale moderner Skischuh können nämlich in unterschiedlichen Verfahren der individuellen Fußform angepasst werden.

WELCHE ANPASSUNGEN SIND MÖGLICH?
Früher war das Bootfitting eine überaus anspruchsvolle Sache und das Ganze umgab ein wenig die Aura der Alchemie. Da wurde gefräst und geschäumt, die Namen der besten Spezialisten wurden wie Adresse von Spitzenköchen nur den besten Freunden hinter vorgehaltener Hand weitergegeben. Das hat sich zum Glück geändert! Thermische Verfahren sind die moderne und praktischere Lösung zur Beseitigung von Druckstellen oder zur Verbesserung der Passform für besseren Halt. Sowohl der Innenschuh als auch die Schale werden dabei erhitzt und dadurch verformbar gemacht. Im kalten Zustand behalten die Materialien ihre Form bei. Man unterscheidet bei den Maßnahmen je nach Zielsetzung zwischen Volumenvergrößerung, Volumenverkleinerung sowie Optimierung der Passform.

Innenschuh

DER INNENSCHUH ALS KONTAKTFLÄCHE
Der Innenschuh (oder auch Liner) hat unmittelbaren Kontakt mit dem Fuß (abgesehen von der Socke). Er bietet Raum für Anpassungen, indem ein wärmeverformbares Material verwendet wird, das an kritischen Stellen wie Knöchel, Vorfuß oder an Rist und Schienbein dauerhaft eingedrückt werden kann. Dadurch schafft man mehr Raum, dort wo es drückt. In der Regel wird dabei der Innenschuh in einem speziellen Ofen erwärmt. Dann zieht der Skifahrer mit zusätzlichen Klebepolstern an den zu weitenden Stellen auf dem Fuß den erwärmten Schuh an. Beim Abkühlen behalten die ausgebeulten Stellen ihre Form und bieten so künftig mehr Raum. Will man an bestimmten Stellen weniger Platz, z.B. bei sehr schlanken Knöcheln, dann müssen diese mit passend geformten Pads, wie dem Volume Reducing Leg Pad oder dem Volume Reducing Pad Kit von Atomic, ausgekleidet werden. An den entsprechenden Stellen werden solche Pads außen am Innenschuh angebracht. Sie haben eine dafür spezifische Form und sind in unterschiedlichen Stärken erhältlich.

ANPASSUNG DER SCHALE
Die Schale des Skischuhs ist die äußere Formvorgabe und überträgt die Kraft auf den Ski. Sie muss sowohl Halt geben, als auch progressiv „flexen“ (also definiert nachgeben) wenn der Skifahrer die Sprunggelenke beugt, um Druck auf die Schaufel zu bringen. Moderne Schalen verwenden Materialien, die diese Eigenschaften bieten und gleichzeitig bei höheren Temperaturen verformbar sind. Auf diese Weise können Stellen eines ansonsten gut passenden Skischuhs erweitert werden. Das Verfahren kann vom geschulten Fachhändler mit einem speziellen Ofen in wenigen Minuten durchgeführt werden.

Schale

DIE GEOMETRIE DES SKISCHUHS NICHT VERNACHLÄSSIGEN
Ein Skischuh kann nicht nur unmittelbar am Fuß Probleme machen. Die Ermüdung der Waden oder Fehlstellungen der Beine können ebenfalls von der unpassenden Einstellung der Geometrie des Schuhs herrühren. Oft wissen Skifahrer aber gar nicht, ob der Schaft ihres Schuhs den richtigen lateralen Winkel hat oder ob die Vorlage zur Beweglichkeit ihres Sprunggelenks bzw. ihres Fahrstils passt. Sofern der Skischuh über entsprechende Verstellmöglichkeiten verfügt, ist die richtige Einstellung noch einfacher als die Anpassung an die Fußform. Dazu gibt es am Schaft-Gelenk und an der SchaftRückseite entsprechende Vorrichtungen, mit denen die Seitenneigung bzw. die Vorlage der Schale verändert werden kann. Ein Fachgeschäft kann den Skischuh passend auf den Fuß einstellen. Die Einstellung erfordert etwas Erfahrung und genaues Arbeiten, aber es lohnt sich sehr, diesen wichtigen Grundstein zu legen.